3.9.2026

Wo das Licht eintritt

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Manchmal öffnet sich gerade dort, wo es am meisten wehtut, auch ein Zugang zu etwas Neuem. Ein Zitat von Rumi bringt das für mich sehr genau auf den Punkt.

»Die Wunde ist der Ort, an dem das Licht in dich eintritt.« – Rumi

Lass diese Worte gerne kurz auf dich wirken. Vielleicht liest du sie noch einmal:

»Die Wunde ist der Ort, an dem das Licht in dich eintritt.«

Ich habe dieses Zitat vor Kurzem in einer Sitzung mit einer Klientin gebracht, die vor einigen Jahren durch einen Burnout gegangen ist. Im Gespräch ist mir noch einmal deutlich geworden, wie genau diese Worte etwas treffen, das ich in meiner Arbeit immer wieder beobachte.

Die eigentliche, ursprüngliche Wunde – die später zu einem Burnout beitragen kann – liegt oft viel weiter zurück in der Vergangenheit. Eine akute Krise, wie ein Burnout, ist dann eine scheinbar neue Wunde, die aber auch verbunden ist mit alten Wunden, Verletzungen oder Traumata. Manchmal sind es genau diese Krisen, die schlussendlich zu etwas Neuem führen: neue Klarheit, ein anderer Umgang mit sich selbst, die Hinwendung auch zu alten Wunden, eine Verbindung zu den eigenen Bedürfnissen, die vorher gefehlt hat. Es tritt Licht ein.

Und trotzdem, und das ist mir wichtig, gilt dieser Satz Rumis für mich immer nur im Rückblick. Wenn wir mitten im Burnout stecken, dann kann sich dieser Satz wie eine Bagatellisierung oder ein lapidares »Wird schon wieder« anfühlen. Und in der akuten Krise oder für den Anteil in uns, der eine Wunde aus der Vergangenheit trägt, diese ursprünglich erlebt hat, gibt es kein Licht. Da ist einfach Schmerz. Vielleicht Hilflosigkeit. Und das muss erstmal achtsam und liebevoll bezeugt werden.

Vielleicht macht ein Blick auf meine eigene Bindungswunde das noch klarer. Als der Mensch, der ich heute bin, kann ich erkennen, welches Licht durch diese Ursprungswunde eingetreten ist, wie viel Verständnis, Mitgefühl, tiefe Selbstakzeptanz und Klarheit daraus gewachsen ist. Um dieses Licht wirklich spüren zu können, bedarf es aber zuerst, das verwundete innere Kind in seinem Schmerz, seiner Verzweiflung abzuholen. Niemals würde ich einem Anteil von mir sagen: »Schau, wir haben doch etwas Gutes daraus gelernt.« Das würde ihm nicht gerecht. Der Schmerz lebt noch immer in uns, weil wir damals mit den Gefühlen alleine waren. Deshalb braucht es uns heute als Erwachsene, diese Gefühle mit offenem Herzen zu empfangen und zu bestätigen, wie unglaublich schmerzlich, schwer und ungerecht sich damals etwas für diesen inneren Anteil angefühlt hat. Wenn das sein darf, dann fühlt auch der Anteil oft irgendwann eine Erleichterung, wird es etwas heller. Aber das Licht kommt durch das Hindurchgehen, nicht das Wegmachen oder Überwinden.

Es dürfen für mich zwei Wahrheiten gleichzeitig existieren: Das Licht, das im Rückblick erkennbar wird, wenn wir durch das Tor der Wunde gegangen sind und sie integriert haben. Und der Schmerz, der zu seiner Zeit einfach nur Schmerz war, ohne dem gleich einen Sinn, ohne Lektion zuordnen zu wollen.

Genau darin liegt für mich die eigentliche Tiefe dieses Zitats. Es geht nicht darum, jede Wunde schönzureden oder sie vorschnell in etwas Positives umzudeuten. Es geht darum, dass beides wahr sein kann: der Schmerz, so wie er war, und die Möglichkeit, dass durch genau diese Öffnung später etwas Neues, Heilsames einziehen konnte.

Vielleicht magst du selbst kurz innehalten und nachspüren:

Gibt es eine Wunde in deinem Leben, durch die im Rückblick auch Licht eingetreten ist? Etwas, das du gelernt hast, eine Stärke, eine Klarheit, eine Verbindung zu dir selbst?

Und kannst du gleichzeitig den Teil in dir ehren, der diese Wunde ursprünglich erlebt hat, ohne von ihm zu verlangen, darin heute schon etwas Gutes zu sehen?

Beides darf da sein. Der Schmerz von damals und das Licht von heute.