5.3.2026

Anpassung, Rebellion und das stille Ich dazwischen

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„Ich würde lieber dafür gehasst werden ich zu sein, statt dafür geliebt zu werden nicht ich zu sein.” – Wayne W. Dyer

✯ Was machen diese Worte mit dir?

✯ Welche Gedanken lösen sie aus?

✯ Was bedeutet es eigentlich für das geliebt zu werden , was wir “nicht sind”?

✯ Und was heißt es, lieber dafür gehasst zu werden "ich zu sein"?

Spüre einfach einen Moment für dich hin und finde deine ganz eigene Reaktion – bevor ich dir erzähle, was ich mit diesen Worten des amerikanischen Psychologen und Autors Wayne Dyers verknüpfe. Und ja, dieses Zitat gehört nicht gerade zur ganz leichten Kost. Dafür ist es unglaublich vielschichtig und es drückt für mich eine ganz tiefe Realität aus.

In meiner Erfahrung lernen die meisten von uns schon früh, sich anzupassen. Wir lernen, bestimmten Erwartungen und Normen zu entsprechen und dabei verbrezeln wir uns gelegentlich zu etwas, was uns eigentlich nicht wirklich entspricht.

Sowohl in der Anpassung, als auch in der Rebellion werden wir in manchen Momenten nicht wirklich wir selber sein.

So lernen wir vielleicht als Kind, dass wir von Papa nur dann beachtet werden, wenn wir besonders leise sind, oder besonders klug. Dann gibt es zwei Wege sich dem anzupassen: besonders leise und klug zu sein oder möglichst rabaukig zu sein und sich dumm zu stellen. Bei der Rabauken-Variante scheinen wir freier zu sein und mehr zu uns zu stehen. Dem ist aber nicht unbedingt so. Denn in beiden Varianten entwickeln wir unser Verhalten anhand der äußeren Umstände – und damit nicht frei aus uns heraus.

Sowohl in der Anpassung, als auch in der Rebellion werden wir in manchen Momenten nicht wirklich wir selber sein. Wenn ich die Brave bin, dann ist mir vielleicht als Kind gerade danach ausgelassen und laut zu sein und einfach nur albern statt klug und schön leise. Das aber verdränge ich unbewusst und setze die Maske der Leisen und Klugen auf.

Deine Anpassung oder Rebellion ist aus der unglaublichen Kreativität deines Wesens entstanden, um dich zu schützen.

Hier ein kurzer Exkurs: Die Anpassung hat das damals unserem Überleben gedient. Wir haben damit versucht sicherzustellen, dass wir geliebt oder wenigstens geduldet werden und nicht ausgestoßen werden. Die Angst davor ausgestoßen zu werden ist eine ganz alte, die noch aus Zeiten in uns lebt, als wir in kleinen Sippen lebten, ohne die wir in der Wildnis nicht hätten überleben können. Aber auch als Kinder hat sie eine Realität – denn ohne Eltern oder erwachsene Bezugspersonen könnten wir alleine in der Welt nicht überleben.

Nun aber zum Rebell: vielleicht ist mir als kindlicher Rebell eigentlich manchmal danach still und leise zu sein und von dem tollen Buch zu erzählen, dass ich gerade lese. Wenn aber meine Identität schon die des Rabauken ist, dann verkneife ich mir das unbewusst ich “haue auf die Kacke”, wie man so schön sagt. Und damit bin ich in diesem Moment genauso wenig ich selber, wie das stille und kluge Kind es in den Momenten ist, in denen es seine Ausgelassenheit unterdrückt.

Es ist nicht immer einfach hinzuschauen und zu erkennen, wo wir wirklich wir selber sind – uns auf eine bestimmte Weise verhalten, um zu gefallen.

Es geht darum, in sich selber zu ruhen, zu sich zu stehen und sich verletzlich zu machen – selbst wenn das auf Ablehnung stößt.

Auf jeden Fall braucht der Satz von Wayne Dyer ziemlich viel Mut, Selbstvertrauen und Selbstliebe. Denn aus meiner Warte geht es nicht darum zu sagen „scheiß doch auf die Welt, na klar mache ich das, was mir entspricht". Vielmehr geht es darum in sich selber zu ruhen, zu sich zu stehen und sich verletzlich zu machen, wenn wir in bestimmten Momenten entscheiden dem zu folgen, wonach uns gerade ist, selbst wenn das auf Ablehnung stößt.

Nimm dieses Zitat einfach Mal mit in deinen Tag, in deine Woche und schau, was dir auffällt.

✯ Wo sagst du Ja, obwohl dir nach Nein ist?

✯ Wo schluckst du herunter, wie es dir geht, weil du meinst, mit deinen Gefühlen jemand anderen zu belasten?

✯ Wo stimmst du zu, um den “Frieden” zu wahren?

✯ Egal was du feststellst, versuche es einfach zu bemerken: “wow, spannend – irgenwie auch traurig – aber ja, das ist wohl so.” Du musst gerade nichts ändern, nichts passend machen. Nimm es wahr, sei damit.

Deine Anpassung oder Rebellion, ist im Angesicht von Situationen, die dir nicht den sicheren Halt gegeben haben, den du gebraucht hättest, aus der unglaublichen Kreativität deines Wesens entstanden, um dich zu schützen.

Das gilt es erstmal anzuerkennen. Und dann sei neugierig, wo dich das hinführen mag.

Das Bild der Gewitterstimmung habe ich für diesen Beitrag gewählt, weil Ablehnung sich wirklich heftig anfühlen kann. Ich beziehe mich dabei auf die Worte Wayne Dyres aus Zitat oben, lieber dafür gehasst zu werden, wer er ist – statt für das geliebt zu werden, was er nicht ist. Und wenn du entscheidest, in einem bestimmten Moment auf neue Weise zu dir zu stehen, dann kann das auch Angst vor einem „Gewitter" in dir auslösen. Aber erinnere dich, auf jedes Gewitter folgt wieder die Sonne, eine ganz besondere Stimmung, ein Gefühl von Frische und Neuem. Was, wenn das auch so ist, wenn du mutig und zugleich achtsam ein neues „Nein" ausprobierst?